Geschichte der Erwachsenenbildung

Die Geschichte

Fotograf Johannes Kuhn

Über den eigenen Kirchturm hinaus Menschen ins Gespräch bringen
Seit 1968 gibt es die Evangelische Erwachsenenbildung in Kirchenbezirk Herrenberg. Von 1968 bis 2019 war dies im Haus der Begegnung. Das Ziel war und ist im Kirchenbezirk Herrenberg eine gemeindeübergreifende Einrichtung für Erwachsenenbildung und Gesellschaftsdiakonie zu schaffen.

Die Arbeit der Evang.  Erwachsenenbildung geschah in den ersten dreißig Jahren in enger personeller Kooperatoin mit der Evangelischen Akademie Bad Boll. Seit 1998 wird die Evang.  Erwachsenenbildung vollständig getragen von den 24 evangelischen Gemeinden des Kirchenbezirks Herrenberg.

Mit der Eröffnung der Spitalkirche im Februar 2019 wechselte das Zentrum der Evangelischen Erwachsenenbildung in das Stadtzentrum von Herrenberg. 

Kirche ist mehr als Gemeinde vor Ort

Gemeindeübergreifende Einrichtungen waren damals noch ein Experiment: Kirchliche Arbeit geschah lange Zeit fast ausschließlich in der Gemeinde vor Ort. Doch die Erfahrungen zeigten: Die Strukturen sind im Wandel, die Menschen werden immer flexibler. Der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus ist mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Die Evangelische Erwachsenenbildung verfolgte dabei stets eine doppelte Zielrichtung: Es will zum einen Christen untereinander ins Gespräch bringen und so den Austausch und die Vernetzung innerhalb der Kirche fördern. Zum anderen treten hier Christen aus dem Schatten ihres Kirchturms heraus und bringen sich kritisch und engagiert in die gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit ein.

Jährlich finden in Herrenberg und Umgebung über tausend Veranstaltungen statt, die über die evang. Erwachsenenbildung mit organisiert werden.

Nachhaltige Impulse
Seit seinen Anfängen hat sich die Evang Erwachsenenbildung als wichtiger Impulsgeber erwiesen. Hier standen gesellschaftlich relevante Themen und Anliegen manchmal schon auf der Tagesordnung, bevor die große Öffentlichkeit der Medien sie in den Blick nahm.

So wurde die Evang. Erwachsenenbildung oft zum Vorreiter im Landkreis, manchmal sogar für bundesweite Entwicklungen. Der Verkauf von biologisch erzeugten Lebensmitteln – ein Thema, das durch die Serie von Lebensmittelskandalen der letzten Jahre eine traurige Brisanz erreicht hat – stand bei der Evang. Erwachsenenbildung schon in der 70er Jahren auf der Agenda. Ebenso hat die regionale Friedensbewegung hier ihre Wurzeln.

Die Evang. Erwachsenenbildung  hat es immer wieder verstanden, auf wunde Punkte hinzuweisen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Etliche dieser Impulse wirken bis heute nach. Der Arbeitskreis Eltern und Erziehung etwa wurde zum Vorläufer der heutigen Familienbildungsstätte Herrenberg. Aus der Initiative für Ausländer wuchs der Verein „Flüchtlinge und wir“. Der Arbeitskreis Entwicklungspolitik führte zur Gründung des Vereins „Partnerschaft Dritte Welt“, der bis heute durch einen Laden das Bewusstsein für die „Eine Welt“ wach hält.

Das Programm

Begegnungen möglich machen und gesellschaftliche Impulse setzen
Bei der Evang. Erwachsenenbildung  stehen die Menschen im Mittelpunkt – vor allem jene, die in unserer Gesellschaft oft an den Rand gedrängt werden. Im Freizeitclub der Lebenshilfe etwa finden Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige einen Ausgleich zum oft stressigen Alltag, sie basteln, kegeln, tanzen oder spielen zusammen. Eine große Herausforderung sehen wir in der Begegnung zwischen Jung und Alt, damit aus dem Miteinander der Generationen kein Gegeneinander wird.

Gemeinden stärken
Einige unserer Veranstaltungen finden in der Spitalkirche in Herrenberg statt. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in den Gemeinden vor Ort. Wir führen in den Gemeinden Veranstaltungen durch oder helfen bei der Suche nach Referenten. Wir organisieren gemeinsame Aktionen wie die Fahrt zum Kirchentag oder die Seminare im Rahmen der Aktion „neu anfangen“, mit der die evangelischen Kirchen und Gemeinschaften in Herrenberg die Menschen der Region ins Gespräch über den Glauben bringen.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, Gemeinden dort zu unterstützen und stark zu machen, wo wir selber unsere Stärke haben: In den aktuellen Fragen der Erwachsenenbildung und Gesellschaftsdiakonie. Im Einsatz für den Nächsten. Mit den Worten Jesu gesprochen: Wir wollen die Gemeinden unterstützen, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein (Matthäus 5, 13f).

Dialog über Grenzen hinweg
Wir suchen in jüngster Zeit verstärkt das Gespräch mit unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Auch hier ist echte Begegnung die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben – um sich besser kennen zu lernen und gegenseitige Ängste und Vorurteile abzubauen, damit Vertrauen wachsen kann. Wir sprechen Themen des Glaubens an und fragen uns dabei auch selbst: Was macht unseren Glauben aus? Was verstehen wir darunter, evangelisch zu sein? Wo kommt das Evangelium in unserem Leben zur Sprache?

Glauben leben und vertiefen
Vom Hintergrund unseres christlichen Glaubens her sind wir überzeugt: Jeder Mensch ist von Gott gleich geliebt und geachtet. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschenwürde, Nächstenliebe und Barmherzigkeit in unserer Gesellschaft nicht nur leere Worte bleiben. Wir wissen, dass wir dies nicht aus eigener Kraft leisten können.

Evang. Erwachsenenbildung heißt für uns deshalb nicht zuletzt: Offen zu sein für die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Der Gottesdienst in der Spitalkirche sowie Angebote zur Gestaltung und Vertiefung des Glaubens gehören zu den festen Bestandteilen unseres Konzepts. Unser geistliches Angebot ermöglicht es Ihnen auch, im evangelischen Raum eher vernachlässigte Formen der Spiritualität wie Meditation und Liturgischer Tanz neu zu entdecken.

Uns ist wichtig, dass verschiedene Zugänge zum Glauben zur Sprache kommen. Wir verstehen uns als einen Ort, an dem Suchende und Fragende nicht einfach mit fertigen Antworten abgespeist werden. Sondern wir wollen uns gemeinsam mit ihnen auf den Weg begeben, das Geheimnis unseres Glaubens immer wieder neu zu entdecken und miteinander zu feiern.